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Jancis Robinson im Interview mit vinifera

Very british

Jancis Robinson ist eine Weinautorin von internationalem Rang, die mit ihren Bücher, Fernsehserien und Weinverkostungen (10.000 verkostete Weine pro Jahr!) Maßstäbe in der Weinpublizistik gesetzt hat. Am 30. Januar war sie zu Gast in Bad Kreuznach beim Weinforum von Vinissima – dem Netzwerk Frauen & Wein. In ihrem Vortrag berichtete sie mit typisch britischem Understatement und viel Humor von ihrem Werdegang in der Weinszene. Am Anfang, in den 1970er Jahren, galt die Beschäftigung mit Wein oder Essen in England als reine Zeitverschwendung. Doch für Oxford-Absolventin Robinson stand nach einem einjährigen Aufenthalt in der Provence und dem Genuss eines Chambolle-Musigny Les Amoureuses fest: Der Wein ist mein Thema.
Am Rande der Veranstaltung hatte sie Zeit, Vinifera ein paar Fragen zu beantworten.

Hatten Sie im Weinbusiness mit Vorurteilen zu kämpfen, weil Sie ein Frau sind?
Nein, auf keinen Fall. Außer, dass ich bei bestimmten Londoner Clubs, die keine Frauen akzeptieren, nicht Mitglied werden kann, aber das ist sowieso nicht mein Ding.

Brauchen Frauen – und auch Weinfrauen – immer noch männerfreie Räume, um sich besser entfalten zu können?
Ich glaube ja, aber das kann meiner Meinung nach nur für eine gewisse Übergangszeit sinnvoll sein.

Machen Frauen andere Weine als Männer?
Ich weiß es nicht. Mir geht es jedenfalls so, dass ich beim Verkosten eines Weins überhaupt nicht sagen kann, ob ein Mann oder eine Frau dahintersteckt.

Wie unterscheiden sich Männer und Frauen im Umgang mit Wein?
Da gibt es große Unterschiede: Frauen sind gehen das Thema Wein viel entspannter an und sehen dabei Genuss und Freude im Vordergrund. Für Männer ist der Wein sehr oft ein Statussymbol, mit dem sie Ansehen und Prestige verbinden, zum Beispiel als Sammler teurer und hoch bewerteter Tropfen oder als Investoren. Außerdem stehen Männer gesellschaftlich viel mehr unter dem Druck, etwas von Wein verstehen zu müssen, denn meist bekommt im Restaurant der Mann zuerst die Weinkarte.

Was halten Sie von Twitter und von den Weinblogs? Bedrohen diese neuen Medien das gedruckte Wort?
Das ist ein großes Problem, und ich weiß nicht, wohin uns das führt. Alles ist im Fluss. Ich fürchte allerdings, dass Verleger aufgrund schwindender Erlöse ihre Experimentierfreudigkeit bei der Veröffentlichung von Weinbüchern verlieren. Eines jedoch ist sicher: Die Zeit der Weingurus ist vorbei, denn heutzutage gibt es im Netz Millionen von Weinbeurteilungen, die jedem Nutzer jederzeit zugänglich sind. Der Abstand zwischen den Top-Schreibern und den Verbrauchern hat sich enorm verringert.

Was halten Sie von der Entscheidung des Deutschen Weininstituts, Riesling und Pinot Noir als deutsche Leitrebsorten auszuwählen?
Die Entscheidung ist absolut richtig. Riesling ist etwas genuin Deutsches, und in Sachen Spätburgunder kann ich nur sagen: Die ganze Welt ist verrückt nach Pinot Noir.

Welche Weintrends sehen Sie derzeit?
Ich beobachte aktuell Trends zu Weinen mit weniger Alkohol, mit weniger Holz, außerdem im Kommen sind Weißwein, Biowein und Gewächse aus autochthonen Rebsorten.

Wenn Sie politische Macht hätten, wie würden Sie sie nutzen?
Ich würde den Bau der Hochmoselbrücke bei Ürzig stoppen. Das wunderschöne Moseltal darf nicht zerstört werden.